Sportschützen und Paintball

Composite Druckluftflaschen (HP) / Paint Ball. Alle 3 bis 5 Jahre müssen, je nach Herstellervorgaben Composite Druckluftflaschen zum TÜV. Sicherheit ist bei Druckluft wichtig. Unsere TÜV Termine stehen unter Kalender TÜV 2017.

Prüfung von Gaskartuschen für Sportschützen

Sportschützen verwenden Gaskartuschenmit Luft oder CO2 als Druckspeicher für ihre Luftgewehre. Bei Sportveranstaltungenwird inzwischen kontrolliert, ob diese Kartuschen noch verwendetwerden dürfen. Deshalb stellen Verbände, Vereine und einzelne
Sportschützen in der jüngeren Vergangenheit vermehrt die Frage, wie und wo entsprechende Prüfungen durchgeführt werden können. Dazu hier diewichtigsten Fakten:

Technische und rechtliche Betrachtung

Technisch betrachtet handelt es sich bei den Gewehrkartuschen umein Rohr aus Edelstahl oder Aluminiummit einemGewinde zum Anschluss an das Gewehr bzw. die Fülleinrichtung auf der einen Seite und einemeinfachenManometer auf der anderen Seite. Rechtlich betrachtet handelt es sich bei den Gewehrkartuschen um Druckgasflaschen, die demGefahrgutrecht unterliegen und nach ADR/RID (internationale Vorschriften über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße und auf der Eisenbahn) geprüft und zugelassen seinmüssen.

Bei neuen Flaschen TPED beachten

Bei neuen Flaschen sind zusätzlich die formellen Anforderungen der TPED (Richtlinie 1999/99/EG über ortsbewegliche Druckgeräte, in Deutschland umgesetzt durch die Verordnung über ortsbewegliche Druckgeräte (VoD) vom17. Dezember 2004, BGBl. I S. 3711) in Hinblick auf die Prüfzuständigkeit und die Kennzeichnungmit demKonformitätszeichen “Pi” zu beachten. Für die wiederkehrenden Prüfungen gilt nach ADR/RID eine Frist von zehn Jahren.

Auch Betriebssicherheitsverordnung kann wichtig sein

Zusätzlich kann auch bei den Sportschützen die Anwendung der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in Betracht kommen, sofern ein innerbetrieblicher Einsatz eines ortsbeweglichen Druckgerätes vorliegt. Durch den Verweis in § 23 BetrSichV auf die wiederkehrenden Prüfungen nach u.a. ADR/RID ändert sich jedoch an den Prüffristen nichts.

Gefahrenquellen

ADR/RID berücksichtigen allerdings nicht die besonderen Betriebsbedingungen, denen diese Flaschen unterliegen. So ist es als durchausmöglich zu betrachten…

dass das vorgesehene Anzugsmoment beimAnschluss an das Gewehr bzw. die Fülleinrichtung überschritten wird oder
dass es bei einer “langen” Bauweise der betreffenden Flasche und demdamit verbundenenlangen Hebel zu einerMaterial- bzw. Gewindeschädigung durch das Drehmoment beim Einschrauben kommen kann.

Maximale Nutzungsdauer

Aus diesen Gründen und insbesonderewegen verschiedener Unfälle, teilweise verbunden mit Rückrufaktionen von Herstellern, haben einige Hersteller von Gewehrkartuschen eine maximale Nutzungsdauer von zehn Jahren festgelegt. Bei Flaschen mit einer derart festgelegtenmaximalen Verwendungsdauer darf keine wiederkehrende Prüfung durchgeführt werden, da diese der sicherheitstechnisch sinnvollen Festlegung der Hersteller zuwider laufen würde. Unabhängig von einermöglicherweise mit
Erfolg durchgeführten wiederkehrenden Prüfung gilt also die vomHersteller festgelegtemaximale Verwendungsdauer.

Prüforte

Die TÜV verfügen nicht über eigene Prüfanlagen, sondern bescheinigen die korrekte Durchführung einer Prüfung. Diese erfolgt imBeisein des TÜV-Sachverständigen, z.B. bei einigen Herstellern im Rahmen eines Rücknahmesystems oder bei speziell für diesen
Zweck ausgerüsteten Firmen.

Der Prüfumfang umfasst nach Kapitel 6.2.1.6 ADR/RID

  • die äußere Prüfung der Flasche, der Ausrüstung und der Kennzeichnung. Bei Gewehrkartuschen aus Aluminiummuss imRahmen der äußeren Prüfung eine Oberflächen- Rissprüfung durchgeführt werden, umeine ausreichende Aussagekraft zu erreichen.
  • die innere Prüfung. Generellmuss eine Innenbesichtigungmittels eines Endoskops mit eingebauter Beleuchtungseinrichtung durchgeführt werden.
  • die Überprüfung des Gewindes, zunächst optisch (“mit unbewaffnetemAuge”) und bei Auffälligkeitmit einer Gewindeleere
  • die Flüssigkeitsdruckprobe unter Einsatz eines kalibriertenManometers und
  • die Prüfung der Bedienungsausrüstung, anderer Zubehörteile und Druckentlastungseinrichtungen, sofern eine derartige Ausrüstung vorhanden ist und eineWiederinbetriebnahme vorgesehen ist.

Unternehmen berechnen den größeren Teil

Die Kosten der Prüfungen gliedern sich in zwei Teile. Der größere Anteil entfällt üblicherweise auf das Unternehmen, das die Prüfungen organisiert. Weiterhin stellen diese Firmen die Prüfeinrichtungen bereit und übernehmen die Vorbereitungsarbeiten
sowie die nach der Prüfung anstehendenWartungsarbeiten. Dazu gehören die Trocknung der Gewehrkartuschen, der gegebenenfalls erforderliche Ersatz von ORingen und derWiederanschluss von abmontierten Ausrüstungsteilen.

TÜV-Kosten abhängig vom Ablauf

Die TÜV-Kosten für die Prüfungen hängen imWesentlichen davon ab,wie viele Gewehrkartuschen zu einemTermin geprüft und wie viele Prüfungen parallel durchgeführt werden können. Bei sehr günstiger Organisation und Vorbereitung der Prüfungen ist von Mindestkosten in Höhe von etwa 20 Euro auszugehen. Bei geringer Stückzahl von zu prüfenden Gewehrkartuschen sowie in Problemfällen und bei Einsatz von besonderen Prüfmethoden (Oberflächenrissprüfung) erhöhen sich die Kosten entsprechend
dem Zeitaufwand.

Dr. Hermann Dinkler, Verband der Tüv eV.